Werkstätten Alois Eckert

Arbeit ist für das Leben eines jeden Menschen wichtig und trägt zur Lebenserfüllung, Selbstständigkeit und Zufriedenheit bei. Arbeit schafft gesellschaftliche Anerkennung und sichert, zumindest teilweise, den Lebensunterhalt.

Die Caritas-Werkstätten Alois Eckert mit Ihren Niederlassungen in Lauda-Königshofen-Gerlachsheim (CWG1), Grünsfeld (CWG) und Tauberbischofsheim (CWT u. CWB) bieten ca. 220 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung sowie ca. 95 Menschen mit psychischen Erkrankungen einen Zugang zum Arbeitsleben und ermöglichen somit berufliche und soziale Integration. Dazu kommen rund 25 Plätze im Förder- und Betreuungsbereich, sowie etliche Außenarbeitsplätze.

Die Werkstätten des Caritasverbands im Tauberkreis e.V: stehen damit in der mehr als 70-jährigen Tradition des Wirkens der Caritas für die Menschen in der Region. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung und ihre Integration bzw. Inklusion in die Gemeinschaft ist uns seit langem ein großes Anliegen. Bereits 1976 wurde die Alois-Eckert-Werkstatt für Menschen mit Behinderung gegründet, 1977 nahm sie den Betrieb auf - die ersten Menschen mit Behinderung begannen ihre Arbeit dort und entkamen damit oft einem langweiligen, teils verborgenen Dasein. Zehn Jahre später kam die erste Werkstatt für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Grünsfeld dazu - heute sind es vier. Und für die nähere Zukunft gibt es große Planungen, um die Arbeitsstätten für die uns anvertrauten Menschen auf dem neuesten Stand zu halten und neuen Anforderungen gerecht zu werden.

KlangspielKlangspielKonradsblatt

Denn im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Mensch mit Behinderung mit all seinen Fähigkeiten und Stärken. Ihn  zu fördern und zu begleiten, ist unsere Aufgabe. Dazu gehören durchdachte pädagogische Maßnahmen, auf die Behinderung abgestimmte Arbeitsangebote, eine gute ärztliche Betreuung und die Einhaltung der Vorgaben der Qualitätssicherungssysteme.

Denn die Werkstätten stehen in enger und guter Partnerschaft mit rund 70 Firmen aus der Region, die teils schon seit Jahrzehnten hier fertigen lassen. Die Firmenkunden schätzen die Zuverlässigkeit und Hochwertigkeit der geleisteten Arbeit.

Auch eigene kreative Produkte werden hergestellt, die  gern als Geschenk gekauft werden.

Eine besondere Note gibt "Klangspiel" den Werkstätten Alois Eckert: Die Band, in der Beschäftigte zusammen musizieren, spielt unter höchster Anerkennung bei Veranstaltungen, Gottesdiensten und Festakten. Auch bei Festivals von Musikgruppen von Menschen mit Behinderung nimmt "Klangspiel"  mit guter Resonanz teil.

Förder- und Betreuungsbereich

Für die Menschen mit Behinderung ist der Förder- und Betreuungsbereich der zweite Lebensbereich außerhalb des Wohnorts. Hier bietet sich eine gute Chance für Begegnung und Integration. Die intensive und individuelle Förderung setzt an den Fertigkeiten und Fähigkeiten der betreuten Person an. Die respektvolle und einzelfallbezogene Betreuung steht im Fokus unserer Arbeit. Pädagogische und pflegerische Fachkräfte übernehmen für sie die gemischten Gruppen.

Sozialverhalten

Neben der Stärkung von Selbstbestimmung und Selbstständigkeit sind Übungen zu Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Motorik und dem Erfassen von Formen und Farben zentraler Bestandteil der Förderung. Im Alltag wird im Spiel, bei Sport, Werken und im Morgenkreis angemessenes Sozialverhalten vorgelebt und eingeübt.

Mit einzelnen Arbeiten  aus dem Werkstattbereich erproben wir regelmäßig die Kenntnisse der Geförderten, um den Weg dahin offenzuhalten. Die Kommunikation über Gestik, Mimik und Körperbewegungen neben der sprachlichen Verständigung erfährt - teils mit technischen Hilfsmitteln - intensive Förderung.

Ziele der Arbeit mit Menschen mit schweren Behinderungen sind:

  • Versorgung der Grundbedürfnisse
  • Fördern und Erhalten von Selbstständigkeit und lebenspraktischen Fähigkeiten
  • Lebenserfahrungen und Entwicklungen ermöglichen
  • Schaffung von sinnvoller und verantwortungsbewusster Tätigkeit
  • Gemeinschaft und Kontakte innerhalb und außerhalb der Einrichtung erleben
  • Therapeutische Maßnahmen, beispielsweise Krankengymnastik
  • Wiedereingliederung in den Arbeitsbereich der Werkstatt

Mitarbeitende der Werkstätten Alois Eckert kümmern sich um rund 25 Menschen im Förder- und Betreuungsbereich.

 

Arbeitsförderung und berufliche Bildung

Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die den Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes gewachsen sind, werden in Kooperation mit dem Integrationsfachdienst in Praktika und gegebenenfalls auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt.

Berufliche Bildung in unseren Werkstätten bedeutet:

  • Neue Tätigkeiten einüben
  • Umgang mit Maschinen und Werkzeugen erlernen
  • Konzentration und Ausdauer trainieren
  • Kulturtechniken fördern

Jeder Beschäftigte hat die Möglichkeit, verschiedene Angebote in den Bereichen Sport und Musik wahrzunehmen oder sich an den Morgen- und Lernkreisen zu beteiligen.

 

Berufsbildungsbereich

In Berufsbildungsbereich werden die TeilnehmerInnen auf Ihr künftiges Arbeitsleben vorbereitet und qualifiziert. Dabei stehen ihre persönlichen Fertigkeiten und sozialen Kompetenzen sowie deren Weiterentwicklung im Mittelpunkt.

In einem etwa dreimonatigen Eingangsverfahren wird zunächst geprüft, ob wir die am besten geeignete Bildungseinrichtung für die jeweilige Person sind. Darauf folgen 24 Monate im Berufsbildungsbereich. Gemäß den festgestellten Fähigkeiten wird ein Ausbildungsplan erstellt. Der hat das Erlernen von Grundfertigkeiten und die Entwicklung der Persönlichkeit zum Ziel. Das zweite Ausbildungsjahr verläuft in Form von Praktika in den Arbeitsgruppen der Werkstatt nach Interessen, Fähigkeiten und Neigungen des Teilnehmers oder der Teilnehmerin. Hier vertiefen und erweitern sie Grundkenntnisse. Neu hinzu kommen Arbeiten an Maschinen.  Wo möglich, runden externe Betriebspraktika die berufliche Weiterentwicklung ab.

Arbeitsbegleitende Maßnahmen, die lebenspraktisches und soziales Lernen zum Ziel haben, stärken und entwickeln die Persönlichkeit. Sie umfassen Lesen, Schreiben, Rechnen, kreative und musische Angebote, Lernkreise, Kulturtechniken, Feste und Feiern im Jahresablauf, Sport und Bewegungserziehung.

Nach erfolgreichem Abschluss des Berufsbildungsbereichs entscheidet ein Fachausschuss über den weiteren beruflichen Weg. Wesentliches Ziel ist die Vermittlung auf den freien Arbeitsmarkt. Beschäftigte, die das nicht erreichen können, wechseln in den Arbeitsbereich der Werkstätten und erhalten einen Arbeitsplatz, der ihren Fähigkeiten entspricht.

 Von Anfang an sind die TeilnehmerInnen renten- und krankenversichert und erhalten ein Ausbildungs- oder Übergangsgeld vom zuständigen Kostenträger. Die Bildungsmaßnahme wird im Auftrag der Agentur für Arbeit oder der Rentenversicherungsanstalt durchgeführt.

Die Caritas-Werkstätten Alois Eckert haben die Zulassung zum Träger nach dem Recht der Arbeitsförderung. In regelmäßigen Abständen findet eine Prüfung nach Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung – Arbeitsförderung (AZAV) statt.  Die TÜV SÜD Management Service GmbH führt die umfangreichen Prüfungen durch. Konkret handelt es sich um die Zertifizierung von Maßnahmen zur Teilhabe behinderter Menschen (MbM) nach dem III. Sozialgesetzbuch. Der Schwerpunkt der  Trägerzulassung durch den externen Auditor des TÜV SÜD liegt auf dem Berufsbildungsbereich.

Produktionsbereiche

Eine feste Tagesstruktur, individuell zugeschnittene Arbeitsplätze und die zumindest teilweise Sicherung des Lebensunterhaltes erhöhen die Selbstständigkeit und verbessern Sozialkompetenz und Selbstwertgefühl.

Das Betreuungspersonal in den Werkstätten verfügt über eine sonderpädagogische Zusatzqualifikation und legt besonderen Wert auf die Weiterentwicklung der persönlichen und sozialen Kompetenzen. Oberstes Ziel ist die Sicherstellung der dauerhaften Beschäftigung im Arbeitsbereich oder in Einzelfällen die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt.

Hochwertige Arbeit

Eine individuelle Förderung der Beschäftigten durch unser Betreuungspersonal stellt den Erhalt und die Weiterentwicklung der persönlichen Fähigkeiten und somit die dauerhafte Beschäftigung im Arbeitsbereich sicher oder ermöglicht in Einzelfällen auch die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt.

Im Arbeitsbereich bieten wir Tätigkeiten in den Bereichen Montage, Verpackung, Holz, Metall, Elektro, Wäschemangel und Kreativ an. Rund 70 Firmen und Handwerksbetriebe aus der Region arbeiten seit Jahrzehnten mit den Alois-Eckert-Werkstätten zusammen und lassen hier fertigen. Diese Firmenkunden zeigen soziales Engagement  und können sich auf hochwertige Arbeit verlassen.

Kreativprodukte

Die Eigenprodukte, die von der Idee über Entwurf und Arbeitsplanung komplett in den Werkstätten geschaffen werden, erfreuen sich bei privater Kundschaft großer Beliebtheit. Zu diesen Werkstattprodukten gehören Vogelhäuser, Deko-Artikel für Drinnen und Draußen, weihnachtliche und christliche Symbole sowie individuell gefertigte Briefkarten für verschiedenste Anlässe. Jeden ersten Adventssonntag findet in der Werkstatt in Gerlachsheim ein großer Weihnachtsmarkt mit diesen Artikel statt, der jedes Jahr viele Gäste und Kaufwillige anzieht.

 

Außenarbeitsplätze

Ausgelagerte Werkstattarbeitsplätze sind begleitete Arbeit von Beschäftigten in Betrieben des Arbeitsmarktes. Dabei ist die Kooperation zwischen Arbeitgeber und Werkstatt vertraglich geregelt. Das Ziel ist, die berufspraktischen und sozialen Kompetenzen zu erweitern. 

Diese Arbeitsplätze außerhalb der Werkstätten bieten ein höheren Maß an Inklusion, denn die Kollegen und Kolleginnen sind Menschen ohne Behinderung. Bei entsprechender Eignung soll durch gezielte Qualifizierung ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis daraus entstehen.

Ein hervorragendes Beispiel ist die Paneria! im Zwillingshaus in Bad Mergentheim.

 Webers Paneria!  im Zwillingshaus

Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Ermöglicht wird das durch eine Kooperation der Bäckerei Weber mit dem Caritasverband im Tauberkreis e. V. Ungefähr die Hälfte der Mitarbeitenden ist bei der Bäckerei Weber beschäftigt, die andere Hälfte bringt der Caritasverband ein. Die meisten unserer Mitarbeitenden mit Behinderung haben zuvor in den Werkstätten des Caritasverbandes gearbeitet. Für die Paneria! im Zwillingshaus haben wir die Aufgaben, die in einem Café-Bistro anfallen, neu definiert und klar aufgeteilt. So weiß jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin genau, wofür er oder sie verantwortlich ist.

Die Paneria! der Bäckerei Weber im Zwillingshaus ist etwas Besonderes. Sie merken als Gast vielleicht bei der Bestellung, dass einige Dinge hier anders sind. Zum Beispiel finden Sie an jedem Tisch und an der Theke Bestellzettel vor, auf denen Sie Ihre Wünsche einfach ankreuzen. Essen und Trinken servieren wir Ihnen dann am Tisch.

Über das Zwillingshaus

Die Stiftung St. Johannes gehört zur katholischen Kirchengemeinde. Sie kaufte das Zwillingshaus in Bad Mergentheim im Jahr 2011 und ist somit Inhaberin und Vermieterin des Gebäudes. Gemeinsam mit dem Caritasverband im Tauberkreis wurde das Haus saniert und umgebaut. Die Bäckerei Weber übernahm den Ausbau der Paneria im Erdgeschoss. Außerdem wohnen im ersten und zweiten Stock Menschen mit Behinderung in einer vom Caritasverband betreuten Wohnform zusammen, die das Landratsamt des Main-Tauber-Kreises unterstützt.

 

Weitere Beispiele:

Die Werkstätten des  Caritasverbands im Tauberkreis e.V. arbeiten mit weiteren Kooperationspartnern zusammen, um geeigneten Beschäftigten Außenarbeitsplätze zu bieten:

Inklusion – was ist das eigentlich?

Alle Menschen haben das Recht auf eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. So selbstverständlich das klingt, erst 2008 wurde mit der UN-Behindertenrechtskonvention dieses „Recht auf Teilhabe" für die verschiedenen Lebensbereiche von Menschen mit Behinderungen konkretisiert.

Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Behinderung nicht in Sondereinrichtungen leben, lernen oder arbeiten müssen, wenn sie das nicht wollen. Inklusion bedeutet, dass die Gesellschaft dafür Sorge trägt, dass ihre Angebote für alle zugänglich sind. Das kann z. B. heißen, Gebäude barrierefrei zu gestalten oder Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung zu stellen. Vor allem aber bedeutet es, Menschen mit Behinderung im täglichen Umgang, an der Arbeitsstelle und bei Freizeitaktivitäten als gleichberechtigt anzuerkennen und zu würdigen.